Sport mit Blinden und Sehbehinderten

Erst im Laufe der 70er Jahre hat sich das Sportangebot für Blinde und Sehbehinderte erweitert. Dies gilt sowohl für den Schul- als auch für den Freizeitsport. Seitdem ist auch der Wettkampf- bzw. Leistungssport für blinde und sehbehinderte Athleten selbstverständlich.
Eine ganze Reihe von Sportarten kann von Blinden und Sehbehinderten betrieben werden. Blinde sind hierbei in den meisten Fällen auf die Unterstützung - oder besser Begleitung - Sehender angewiesen. Wer gerne Fahrrad fährt, braucht ein Tandem und einen sehenden Piloten; wer gerne läuft, einen Begleitläufer. Durch eine gute sehende Begleitung erschließen sich vielen Blinden die unterschiedlichsten Sportarten wie Skifahren, Schlittschuhlaufen, Reiten, Rudern, Surfen usw.. Regelmäßig ins Schwimmbad oder zum Kegeln gehen fällt leichter, wenn man nicht auf sich alleine angewiesen ist.

Sehbehinderte sind in der Ausübung ihres Sports unabhängiger und flexibler. Sie haben auch Vorteile beim Erlernen von Sportarten, da mit Hilfe des vorhandenen Sehrestes sportartspezifische Bewegungsabläufe besser eingeübt werden können. Wichtig für Sehbehinderte ist, dass beispielsweise Spielfeld- oder Laufbahnbegrenzungen deutlich zu erkennen sind. Es sollten möglichst optimale Lichtverhältnisse geschaffen werden und die Sportgeräte sollten durch eine entsprechende Farbgebung gut zu sehen sein.
Mehr und mehr Blinde und Sehbehinderte üben ihren Sport als Leistungs- bzw. Wettkampfsport aus.

In den Sportarten Leichtathletik, Schwimmen, Skifahren, Judo, Torball und Goalball finden nationale und internationale Meisterschaften statt. Der Höhepunkt sind die Paralympics, die olympischen Spiele der Behinderten, die jeweils im gleichen Jahr und am selben Ort wie die olympischen Sommer- bzw. Winterspiele stattfinden.

Bei Meisterschaften werden die blinden und sehbehinderten Teilnehmer in drei Klassen unterteilt. Und zwar vereinfacht dargestellt in blinde, hochgradig sehbehinderte und sehbehinderte Athleten. Abweichungen von den ansonsten geltenden Wettkampfbestimmungen werden Blinden und hochgradig Sehbehinderten eingeräumt und sind in einem speziellen Regelwerk festgeschrieben. Blinde Sportler sind auf sehende Unterstützung (Begleitläufer usw.) und auf akustische Unterstützung (Steuerung durch Zuruf) angewiesen. Hochgradig sehbehinderte Sportler haben beispielsweise bei Laufwettbewerben zwei Bahnen zur Verfügung; beim Weitsprung steht ihnen eine größere Absprungzone zur Verfügung; beim Skilanglauf kann ein sehender Begleiter zur besseren Orientierung mitlaufen.

Dennoch gibt es einige Sportarten, die von Blinden nicht und von Sehbehinderten nur eingeschränkt betrieben werden können. Aber auch dann sollte es dem Interessierten ermöglicht werden, sie zumindest kennenzulernen. Dies gilt z. B. für die sogenannten Fun- oder Trend-Sportarten wie Inline-Skating oder Snowboarding.
Viele Blinde und Sehbehinderte gehen ihrem Sport in sog. Behinderten- oder Blinden- und Sehbehindertensportvereinen nach. Diese bieten in aller Regel die für Blinde und Sehbehinderte traditionellen Sportarten wie Schwimmen, Leichtathletik, Gymnastik, Kegeln, Torball und Goalball an.

Blinde und Sehbehinderte, die Sportarten wie Ski, Rudern, Marathon, Judo etc. betreiben wollen, schließen sich meist bestehenden Vereinen ihrer Stadt, ihres Orts bzw. ihrer Region an. Dies gilt vor allem, wenn der Sport wettkampforientiert, also leistungsbezogen ausgeübt wird.

Gerade für Blinde und Sehbehinderte bietet der Sport eine geeignete Möglichkeit, eventuell vorhandene motorische Schwächen und Bewegungsmangel auszugleichen. Die im Rahmen der sportlichen Betätigung trainierten Bewegungsabläufe und die dort erlangte Körperbeherrschung, kann sich auf das alltägliche Leben positiv auswirken.

Vielleicht wird ja der eine oder die andere neugierig und will irgendeine Sportart ausprobieren. Dabei ist es nicht so wichtig, ob ich einen Sport wettkampforientiert oder nur als Ausgleich zum beruflichen Alltag, also als Freizeitspaß betreibe. Denn: Spaß sollte immer dabei sein.

Welchen Sport, welche Sportart betreiben Sie? Schreiben Sie uns über Ihre Erfahrungen. Anregungen, Ideen und Tipps sind ebenfalls willkommen.

Klaus Meyer