Rückblick: 20. Deutscher Hörfilmpreis 2022 – Nach 3 Jahren wieder in Präsenz: „Und die ADele geht an…“

Am Dienstagabend (27.9.2022) wurde nach 3 Jahren erstmal wieder in Präsenz der Deutsche Hörspielpreis im Rahmen einer festlichen Gala vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) vergeben. Diesmal fand die Preisverleihung, moderiert von Steven Gätjen, in den Räumlichkeiten des denkmalgeschützen Klinkerbau der ehemaligen Meierei Carl Bolle in Berlin statt. Für Musik sorgten das Trio Regener Pappik Busch mit Jazz-Klassikern.

 

Unter den Gästenwaren viele Prominente aus Film und Fernsehen, Wirtschaft und Politik vertreten, darunter der Schauspieler Daniel Krauss sowie die Schauspielerinnen Benita Sarah Bailey und Daniela Ziegler, die Tänzerin und Choreographin Nele Herrmann, die Regisseurin Judith Bonesky sowie Kerstin Griese, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Arbeit und Soziales, Jürgen Dusel, der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung und die Behindertenpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Corinna Rüffer.

 

Im Rahmen der feierlichen Preisverleihung wurden auf die Erfolge und Meilensteine der vergangenen zwanzig Jahre zurückgeblickt und darauf hingewiesen, dass weiterhin großer Handlungsbedarf besteht. Besonders deutlich ist das bei den Nominierungen 2022 zu erkennen. So wurden in der Kategorie Kino in diesem Jahr nur drei Filme nominiert, deren barrierefreie Fassungen über eine App im Kino zugänglich waren. Kinoerfolge wie "Ich bin dein Mensch" und "Lieber Thomas" rutschten hingegen in die Kategorie TV/Mediatheken/Streaming, da ihre Audiodeskription erst auf DVD bzw. über einen Streaminganbieter oder in der Mediathek/im TV zugänglich war.

 

Insgesamt wurden für die fünf Kategorien „Kino“,  „TV/Mediatheken/Streamingdienste“, „Dokumenation“, „Kinder- und Jugendfilm“, „Filmerbe“ sowie dem Publikumspreis 20 Filme nominiert.

 

 

Kurz zum Ablauf der Veranstaltung:

Nach der Begrüßungsansprache von Moderator Steven Gätjen übermittelte Armin Buttler von Aktion Mensch dem Präsidenten des DBSV Hans-Werner Lange zunächst seine Glückwünsche zu dem Jubiläum und zeigte sich sehr erfreut darüber, dass der Deutsche Hörspielpreis mittlerweile „solch ein Echo gefunden hat“. Anschließend teilte er den Zuhörern mit, warum Aktion Mensch so tatkräftig den Deutschen Hörspielpreis unterstützt: „Wir fassen das Thema Teilhabe breit auf und dazu gehört in erster Stelle das Thema Barrierefreiheit, und zwar Barrierefreiheit nicht nur für Menschen, die mobil eingeschränkt sind, sondern für alle Menschen, die an irgendeiner Stelle Unterstützung benötigen, um irgendwo hinzuzukommen oder teilzunehmen und da ist natürlich Audiodeskription eins der wesentlichen Themen und deswegen finde ich es fantastisch, dass wir heute hier sind.“

 

Hans-Werner Lange erzählteim Anschluss wie sich im Verband 2001 /2002 die ersten Gedanken zum Deutschen Hörfilmpreis gemacht wurden – es war ihnen klar, dass solch ein Projekt nicht nur Geld kostet, sondern auch Risiken barg. Heute nach 20 Jahren kann er nur sagen: „Die Entscheidung war absolut richtig!“ Schaut er auf die letzten 20ig Jahre zurück, war es eine reine Erfolgsgeschichte. Er kann sich noch gut an die ersten Gespräche mit ARD und ZDF erinnern und wie sich Gedanken dazu gemacht wurden wie viele Filme mit Audiodeskription es denn pro Woche sein könnten. „Heute sind wir so weit, dass wir sagen können: Wir reden doch schon über sehr hohe Quoten im Hauptsendeprogramm.“ Audiodeskription ist nicht nur im Fernsehbereich zu finden, sondern mittlerweile auch im Filmbereich, in Mediatheken und im Bereich des Streamings.

 

Als Nächstes erschien Kultusstaatsministerin Claudia Roth auf der Bühne. Sie war zehn Jahre Mitglied in der Jury war und drückte Ihre Freude über das zwanzigjährige Bestehen aus: "Der Deutsche Hörfilmpreis ist einer der wichtigsten, schönsten, bedeutendsten und politischsten Filmpreise, die es in unserem Land gibt."

 

Nach ihrem Auftritt wurde die Jury der diesjährigen Preisverleihung vorgestellt und es folgten noch einige Grußbotschaften, bevor die Verleihung des Hörfilmpreises 2022 begann.

 

 

Die ADeles für herausragende Audiodeskriptionen wurden in diesem Jahr insgesamt sechs Mal verliehen:

 

  • In der Kategorie Kino ging die Auszeichnung an Thomas Vinterbergs gefeiertes Drama "Der Rausch" mit Mads Mikkelsen in der Hauptrolle. Zusammen mit dem Juryvorsitzenden Hans-Joachim Krahl hielt Schauspielerin und Hörfilmsprecherin Nadja Schulz-Berlinghoff die Laudatio und überreichte den Preis an Conny Goldacker vom Weltkino Filmverleih und Barbara Fickert von Kinoblindgänger, die von ihrem Audiodeskriptions-Team Inga HenkelLena Hoffmann und Johanna Maria Zehendner begleitet wurde.

 

  • In der Kategorie TV/Mediatheken/Streaming konnte sich das vielfach ausgezeichnete Drama "Lieber Thomas" behaupten. Laudatorin Josephin Busch übergab den Preis an Regisseur Andreas Kleinert und Alexander Fichert von audioskript. Begleitet wurden sie von Schauspielerin Anja Schneider und dem Audiodeskriptions-Team, vertreten durch Doris WürfelStefanie SchruhlUlrike Hübschmann und Jörg Steinhoff.

 

  • Das charmante Animations-Abenteuer "Ein Känguru wie du" konnte sich in der Kategorie Kinder- und Jugendfilm durchsetzen. Den Preis nahm Nicola Foltys vom ZDF entgegen, begleitet von ihren Kolleginnen Juliane Piniek und Antje Spyra. Mit von der Partie war auch das Audiodeskriptions-Team, vertreten durch Anke NicolaiRoswitha Rödig und die bis heute jüngste Hörfilmsprecherin Frieda Lotte Henkel. Die Laudatio hielt die Schauspielerin Luise Wolfram.

 

  • Wim Wenders' Klassiker "The Million Dollar Hotel" konnte in der Kategorie Filmerbe überzeugen. Schauspieler Reiner Schöne hielt die Laudatio und übergab die in diesem Jahr lilafarbene ADele aus Keramik an Francesca Hecht von der Wim Wenders Stiftung, die mit dem Audiodeskriptionsteam Elke CremerKlaus-Jörg Kaminski und Nadja Schulz-Berlinghoff auf die Bühne kam.

 

  • In der Kategorie Dokumentation ging die ADele für die beste Audiodeskription an "Tunnel der Freiheit" von Filmemacher Marcus Vetter. Schauspieler und Jurymitglied Roman Knižka hielt die Laudatio und gratulierte Philip Klenk vom SWR, der den Preis persönlich entgegennahm. Begleitet wurde er von Clemens TrötzmüllerErico Zeyen und Christiane Nothofer, die das Audiodeskriptionsteam vertraten.

 

 

Zum Abschluss der Preisverleihung wurde der Gewinner des begehrten Publikumspreises bekannt gegeben. In einem Wimpernschlag-Finale konnte sich in diesem Jahr die NDR-Produktion "Die Toten von Marnow" durchsetzen. Filmexperte und Moderator des Abends Steven Gätjen ließ es sich nicht nehmen, die Publikums-ADele persönlich zu verkünden und zu übergeben. Niels Rasmussen vom NDR nahm gemeinsam mit Regisseur Andreas Herzog den Preis entgegen. Mit von der Partie war auch das Audiodeskriptions-Team mit Martin OvelgönneDoris WürfelOlaf KoopStephanie Schruhl und Benjamin Kirsch.

 

Nach Verleihung der „ADele“ wurden vom Moderator der Veranstaltung noch Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für Belange von Menschen mit Behinderung und Andreas Bethke, DBSV-Geschäftsführer auf die Bühne gebeten, um mit Ihnen ein Fazit zu ziehen:

 

Jürgen Dusel ist bereits 12 Jahre bei der Verleihung des Deutschen Hörpreises dabei. An diesem Tag hatte er wieder festgestellt, dass Audiodeskription „nicht nur für Menschen mit Sehbehinderung ist, sondern für alle“ und auch was für eine großartige Kunst es ist. Nach seiner Auffassung ist Audiodeskription beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk bereits gut angekommen, doch bei den Privaten müsste noch einiges getan werden. Er sprach davon „Private endlich gesetzlich zu verpflichten“.

 

Für Andreas Bethke war es am Ende des Abends nochmals wichtig auf die Menschen zu verweisen, die etwas für das Thema Audiodeskription tun bzw. getan haben und seines Erachtens besondere Meilensteine sind: „Meilensteine, auf die wir stolz sein können!“. Seine Wünsche und Zukunftsgedanken können der Aufzeichnung der Preisverleihung entnommen werden, die unter www.deutscher-hoerfilmpreis.de  abrufbar zur Verfügng steht. Diese wird inklusiv mit Live-Audiodeskription von Anke Nicolai, Live-Untertitelung und Gebärdensprache von Dina Zander-Tabbert und Anja Saft angeboten.