Mainz und Wiesbaden schlagen inklusive Brücken – Gesprächsrunde stößt auf großes Interesse

Einen Tag nach dem „Europäischem Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ am 6. Mai sprachen wir mit unseren Gästen über Inklusion und die Städte Mainz und Wiesbaden.

 

Auf die Idee zu diesem Gespräch kam das Team von „Brücken schlagen – Menschen verbinden“. Pandemie bedingt waren alle Gäste direkt zu Hause geblieben und nahmen über Zoom online am Gespräch teil. Zuhörer*innen waren ebenfalls bei Zoom zugeschaltet oder verfolgten den kurzweiligen Abend auf YouTube. Eine Schriftdolmetschung und Gebärdendolmetscherinnen begleiteten die gesamte Veranstaltung. Insgesamt schalteten sich über 200 Interessierte zu und gegen Ende des Gespräches nutzen viele auch die Möglichkeit um Fragen zu stellen oder um ins Gespräch zu kommen.

Passend zum „Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ diskutierten wir mit unseren Gästen angeregt darüber, was für uns Inklusion bedeutet und welche gelungenen Beispiele es in Mainz und Wiesbaden bereits gibt. So beschrieb Bernd Quick, Beauftragter für die Belange von Menschen mit Behinderungen der Stadt Mainz Inklusion als etwas Bereicherndes, Vielfalt in einer Gesellschaft wichtig und der Austausch untereinander sehr wünschenswert für ein gelungenes Miteinander. Dies ließe sich am besten dadurch erreichen, dass sich alle Menschen in einer Stadt wohl und angenommen fühlen. Monika Fiala vom Kulturamt der Stadt Wiesbaden erzählte von der spannenden Entwicklung des „No Limits“, dem ersten inklusiven Film-Festival in Wiesbaden. Heute werden Filme mit einem inhaltlichen Schwerpunkt auf Inklusion und Teilhabe, mit Hörverstärkung und Audiodeskription, regelmäßig im Kino Caligari gezeigt. Zuletzt fanden Führungen mit Blindenreportage mit dem Projekt T_Ohr im Wiesbadener Kunsthaus und der Mauritius-Mediathek Wiesbaden statt.   

Der Alleskönner Tan Çağlar,  Comedian, Autor, Moderator, Rollstuhlbasketballprofi, Model und Schauspieler  (In aller Freundschaft ARD) äußerte den Wunsch, dass wir irgendwann gar nicht mehr über Inklusion sprechen müssen, da sie im Umgang miteinander selbstverständlich und alltäglich geworden ist und berichtete uns von der Zusammenarbeit mit Menschen, bei denen dies bereits heute der Fall ist. So wird Rollstuhlbasketball selbstverständlich auch von Menschen ohne eine Behinderung gespielt.

Martin Schenk kommentiert den Live-Stream der Rollstuhlbasketballer der Rhine River Rhinos aus Wiesbaden und ist Herausgeber des Rollt.Magazin. Er stimmt Tan darin zu, dass die Sichtbarkeit der Athlet*Innen des Rollstuhlbasketballs Inklusion dadurch stärken, dass sie als Menschen mit Behinderung in starken vorbildhaften Rollen sind. Wenn es bei Inklusionsbesuchen in Schulen zu Begegnungen mit Schüler*innen ohne Behinderung kommt, können sich viele Kinder und Jugendliche zu Beginn eines solchen Austauschs nicht vorstellen, dass es sich mit einer Behinderung glücklich leben lässt. Nach der Berührung mit dem Sport sind regelmäßig alle davon überzeugt, dass dies gelingen kann. Dadurch haben die Menschen innerhalb kürzester Zeit einen ganz anderen Blick auf Menschen mit Behinderungen.

Michael Doogs vom Blinden- und Sehbehindertenbund in Hessen e. V. unterstrich in diesem Zusammenhang deren Motto „Wir wollen gesehen werden“. Auch beim Thema Blindheit und Sehbehinderung ist es am besten möglich, Berührungsängste abzubauen, wenn man auf Festen, spielerisch und bei einem lockeren Gespräch zu einander findet. Wir stellten fest, dass schon heute viele junge Menschen ihren beruflichen Weg lieber in einem diversen Team starten, davon überzeugt, von dieser Vielfalt nur profitieren zu können.

Wir waren uns also alle einig: Inklusion muss sichtbar und hörbar sein, und zwar selbstbewusst als Bereicherung, nicht nur durch die Forderung nach Teilhabe, sondern durch ihr aktives Vorleben und die Überzeugung: Inklusion macht Spaß und Lust auf mehr!  Dabei müssen wir auch über die Grenzen unserer jeweils eigenen Interessengruppe hinausschauen, auf einander zugehen, sonst bleibt Inklusion auf halbem Wege stecken und jede Gruppe kämpft alleine um ihre Rechte, im ständigen Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit gefangen.

In der anschließenden Fragerunde stellte sich heraus, dass sich einige Gäste bei unserer Veranstaltung zum ersten Mal begegneten, obwohl durchaus gemeinsame Interessen bestehen.  wenn auch nur auf dem Bildschirm, ein paar kleine Brücken haben wir also bereits gebaut. trotz aller Euphorie, Barrieren bestehen natürlich nach wie vor und müssen abgebaut werden. Wenn Leitstreifen nur für „Blindenstockträger“ konzipiert sind, aber für Menschen mit Sehbehinderung kaum einen wahrnehmbaren Kontrast haben, oder wenn Webseiten von Städten, auf denen für Kulturangebote geworben wird, oft nicht barrierefrei sind, haben wir noch einen langen Weg zu gehen.

Unsere erste Veranstaltung hat uns, dank unserer großartigen Gäste und dem positiven Feedback, ordentlich Rückenwind gegeben, und dafür wollen wir uns bei allen Beteiligten herzlichst bedanken! Und natürlich gilt auch den Schriftdolmetscher*innen sowie Gebärdendolmetscher*innen unser Dank, die bei unserem Event für sichtbar mehr Inklusion gesorgt haben. Rund wurde die Sache aber erst durch Florian Schneider von T_OHR und seiner kurzweiligen, begeisternden Moderation sowie durch Carlo Kosok (KickIn!) an der Technik. Der größte Dank geht an die Aktion Mensch, ohne die unsere Veranstaltung gar nicht erst möglich gewesen wäre, genau wie das ganze Projekt Brücken schlagen.

Eine erste Brücke ist geschlagen und jetzt geht es richtig los!

Mit Euch gemeinsam werden wir neue Ideen sammeln und uns inspirieren lassen um gemeinsame Erlebnisse zu schaffen!