Schwimmen
Besser schwimmen als baden gehen
Schwimmen ist eine ideale Sportart. Die Kosten für eine Badehose oder einen Badeanzug sind vergleichsweise gering, der Nutzen für den Körper hoch. Denn: Wer regelmäßig schwimmt, fördert die Durchblutung, beansprucht den Herz-Lungenkreislauf und erhöht den Muskeltonus. Dazu kommt, dass Rückenschwimmen oder Kraulen (auch Freistil genannt) für den Rücken sehr gut ist - also ein idealer Ausgleich für alle Büro- und Stubenhocker.
Den Schlüssel zum Schwimmerfolg kann man schon der Definition dieses Sports entnehmen: Sich liegend im Wasser fortbewegen. Also: Man liegt im Wasser und man bewegt sich fort. Dazu braucht man selbstverständlich auch keine Sehkraft, nur Arm- und Beinkraft! Wie das?
Die Bewegung der Beine und die Fettschichten in der Haut halten einen ideal flach auf dem Wasser. Die Arme dienen dazu, sich vorwärts durch das Wasser zu ziehen. Folglich spricht man beim Schwimmtraining von der Verbesserung der "Wasserlage". Je flacher ich liege, desto besser kann ich mich über das Wasser "ziehen".
Hört sich leicht an, ist es auch. Man muss nur die Angst vor dem etwas kalten Element überwinden und daran denken, keine Bewegung hektisch auszuführen. Am besten, man bittet am Anfang einen Freund, im flacheren Beckenteil sich neben einen zu stellen und ab und an mit der Hand den Bauch oder Rücken zu unterstützen, so dass man nicht absäuft.
Die Bewegungen der Arme kann man am besten im Trockenen üben und unter Anleitung verinnerlichen, denn: Auf die richtige Ausführung kommt es an. Ein guter Kraularmzug und man kommt im Wasser gut voran, ein miserabel ausgeführter Armzug und man "tritt" auf der Stelle...
Im Grunde genommen gibt es vier Schwimmarten: Brustschwimmen, Freistil, Rücken und Delfin.
Ein Schwimmstil soll hier genauer beschrieben werden.
Freistil: Die Beine bewegen sich gestreckt nach hinten, mit leichtem Anwinkeln des Beines auf und ab, mit den Fußzehen nach hintend zeigend. Das lässt sich prima üben, in dem man sich mit den Armen am Beckenrand fest hält, flach im Wasser liegt und nach hinten richtig drauf haut. Das Strecken des Beines löst eine Aufwärtsbewegung des Oberschenkels aus. Das bringt Auftrieb, Antrieb und Stabilität im Wasser. Dabei beachten, dass der Oberschenkel nicht mit scharfem Winkel nach unten hängt, da die Oberfläche dann "bremst".
Die Armbewegung ist wie folgt. Der Einsatz: Der Arm wird leicht gebeugt nach vorne parallel zur Schulter gestreckt, wobei der Ellbogen höher als die Schulter ist. Dann beginnt man den Arm unter der Wasseroberfläche an den Körper zurückzuziehen. Hat er die Schulterhöhe erreicht, ist der Winkel zwischen Ober- und Unterarm ca. 90 Grad. Die Stützfläche der Hand und des Unterarms sind senkrecht zur Bewegungsrichtung. Jetzt kommt die Schubphase. Der Arm wird allmählich nach hinten gestreckt, das eingesammelte Wasser nach hinten gedrückt. Wenn die Hand am Oberschenkel ankommt, kommt der Arm, Ellbogen voran, aus dem Wasser. Die Arme arbeiten nicht wie Mühlenflügel, sondern überholen einander. Während ein Arm unten schiebt, greift der andere nach Wasser. Jetzt kommt das Wesentlichste. Das Atmen! Denn: Ohne Luft bewegt sich keiner vom Fleck. In dem Augenblick, als der Arm mit hohem Ellbogen über dem Kopf zur Streckung ansetzt, dreht man den Kopf zur Seite - die Wirbelsäule ist die Achse. Durch die Bewegung des Armes und des im Wasser nach unten "guckenden" Kopfes zur Seite, entsteht unter der Achsel eine Kuhle - eine Wasserfreie Zone. Man atmet aus und schnell wieder ein, bevor die Hand vorne wieder nach Wasser greift.
Das schöne am Schwimmen für Blinde und Sehbehinderte ist, dass man durch die Bahnabtrennungen fast immer wissen kann, wo man sich im Wasser befindet. Eine Bahn ist ungefähr 1,5m breit. Gewöhnlich schwimmt man immer auf der rechten Seite einer Bahn, da in der Regel in Schwimmbädern in jeder Bahn hin- und hergeschwommen wird. Mit der rechten Schulter kann man "am Seil" oder in der Nähe des Beckenrandes schwimmen. Driftet man dennoch einmal zu weit nach links, merkt man alsbald den Arm oder Kopf des Entgegenkommenden. Patsch! Das Geradeausschwimmen ist aber eher die natürliche Richtung, wenn man die Armbewegungen einfach symmetrisch ausführt, also keine Bange...
Bei Schwimmwettkämpfen der Blinden und Sehbehinderten werden alle vier Schwimmstile einschließlich der Staffeln geschwommen. Die längste Distanz ist 400 m. Regelmäßig finden nationale Meisterschaften auf Landes- und Bundesebene sowie Europa- und Weltmeisterschaften statt. Selbstverständlich sind die Schwimmwettbewerbe fester Bestandteil der paralympischen Spiele.
Klaus Meyer