Diabetische Retinopathie
Diabetische Retinopathie - eine verhängnisvolle Augenerkrankung
Die diabetische Netzhauterkrankung (Retinopathie) ist eine der häufigsten Erblindungsursachen in den westlichen Industrieländern. In Deutschland erblinden daran jährlich rund 6000 Menschen im Erwachsenenalter.
Betroffen sein können gleichermaßen Typ-I-Diabetiker, die bereits in ihrer Jugend an Diabetes erkrankt sind und Typ-II-Diabetiker, bei denen die Krankheit erst im Alter aufgetreten ist.
Was ist eine diabetische Retinopathie?
Eine schlechte Blutzuckereinstellung und/oder dauerhaft hohe Blutzuckerwerte können beim Diabetiker auch zu Gefäßveränderungen im Auge führen. Dabei wird die Netzhaut mit ihren winzigen Blutgefäßen oft als erstes betroffen.
Die Netzhaut ist mit vielen Sinneszellen (in Zapfen- und Stäbchenform) ausgestattet, fängt das Licht auf und setzt es in Sinneseindrücke um. Sie befindet sich im Augenhintergrund - hinter dem Glaskörper, einer gallertartigen Masse, die den Augapfel ausfüllt.
Verlauf der diabetischen Retinopathie
Durch die Veränderung der Gefäßwände wird die Netzhaut zunächst schlechter durchblutet. Es entstehen Gefäßwandaussackungen (Mikroaneurysmen), die platzen und in die Netzhaut einbluten können. Aus den brüchigen Gefäßwänden gelangen Flüssigkeit, Fette und Eiweiß in die Netzhaut. Es entstehen Wassereinlagerungen (Ödeme), sowie Fettablagerungen.
Dieses Erscheinungsbild nennt man nichtproliferative Retinopathie.
Beim Typ-I-Diabetiker tritt sie oft erst nach 15- bis 20-jähriger Erkrankung auf. Anders ist es beim Typ-II-Diabetiker, bei der Diagnose „Diabetes mellitus“ leiden bereits ein Drittel der Patienten an einer diabetischen Retinopathie. Trotzdem bemerken die Betroffenen in diesem Stadium meist noch keine Sehveränderung.
Schreitet die Krankheit weiter fort, so kann sie in eine proliferativen Retinopathie übergehen. Hierbei bilden sich neue Gefäße (Proliferationen), die die schlechte Durchblutung der Netzhaut auszugleichen versuchen.
Diese Gefäße sind jedoch keineswegs hilfreich. Da sie selbst geschädigt sind, können sie jederzeit platzen.
Diese abnormalen Gefäßneubildungen wachsen bei fortschreitendem Krankheitsverlauf in den Glaskörper hinein und können dort einbluten. Erst jetzt bemerkt der Patient eine plötzlich auftretende Sehverschlechterung.
Die in den Glaskörper hineingewachsenen krankhaften Gefäße haben noch eine weitere negative Eigenschaft: sie können die Netzhaut von der sie ernährenden Aderhaut ablösen. Für den Patienten bedeutet dies nun eine drastische Reduzierung seines Sehvermögens bis hin zur völligen Erblindung.
Makulopathie
Die Sinneszellen auf der Netzhaut sind nicht gleichmäßig verteilt. Die meisten und effektivsten befinden sich auf der Makula, einem Fleck von ca. 2mm Durchmesser - dies ist die Stelle des schärfsten Sehens, zuständig für scharfes und zentrales Sehen, sowie Farbensehen.
Kommt es zum Austritt von Flüssigkeit und Blut an dieser Stelle, spricht man von einem Makulaödem. Dies beeinträchtigt das Sehvermögen in sehr hohem Maße.
Was ist die Ursache für eine diabetische Retinopathie?
Hauptursache ist ein schlecht eingestellter Blutzucker mit dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten, d. h. Blutzuckerwerte die höher als 160 mg/dl sind.
Daneben gibt es jedoch noch eine Reihe anderer Risikofaktoren, die einen negativen Einfluss auf die Retinopathie haben können:
- Bluthochdruck
- Hormonelle Umstellung in der Pubertät und Schwangerschaft
- Rauchen
- Hohes Cholesterin
- Wiederholter schneller Blutzuckerabfall
Was kann der Betroffene selbst tun?
- Auf gute Einstellung des Diabetes achten!
- Blutzuckerschwankungen möglichst vermeiden!
- Risikofaktoren wie z. B. Bluthochdruck oder hohes Cholesterin verringern bzw. behandeln lassen!
- Große körperliche Anstrengungen vermeiden, um die Gefahr des Platzens der Gefäße in der Netzhaut zu verringern.
- Auf das Rauchen verzichten!
- Regelmäßige Kontrolle durch Augenarzt und Diabetologen!
Hinweis:
Bei schwer einstellbarem Diabetes könnte eine Insulinpumpentherapie von Vorteil sein! Hilfreich für eine gute Blutzuckereinstellung kann der Besuch einer Diabetiker-Schulung sein. Dort erfährt man alles über das Thema Diabetes. Diese wird in vielen Hausarzt- und diabetologischen Schwerpunktpraxen angeboten.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Laserkoagulation
Die Laserkoagulation wird an der Netzhaut vorgenommen - beim drohendem Fortschreiten einer nicht-proliferativen Retinopathie. Sie ist weitgehend schmerzfrei und wird unter lokaler Betäubung durchgeführt. Mit dem Laser werden die veränderten Stellen der Netzhaut „verbrannt“ (koaguliert). Oft sind mehrere Sitzungen in einem Zeitraum von 4 - 6 Wochen notwendig. Es kann dabei zu Nebenwirkungen kommen: eingeschränktes Gesichtsfeld, Sehstörungen in der Dunkelheit und starke Blendungsempfindlichkeit.
Der Patient sollte sich jedoch verinnerlichen, dass eine fortschreitende Retinopathie ohne Laserbehandlung zur Erblindung führen kann.
Vitrektomie
Dieser schwere chirurgische Eingriff wird nur bei Patienten mit erheblichen proliferativen (Gefäß)-Veränderungen im Glaskörper vorgenommen, wenn das Augenlicht akut gefährdet ist.
Bei der Vitrektomie wird der Glaskörper entfernt und durch eine klare Flüssigkeit (meist Silikonöl) ersetzt. Die entstandenen Gefäßneubildungen und Bindegewebsstränge werden entfernt und größere Einblutungen abgesaugt. Eine z. T. abgelöste Netzhaut kann eventuell wieder befestigt werden.
Trotz dieses chirurgischen Eingriffs ist es jedoch nicht möglich ein normales Sehvermögen wieder herzustellen. Ziel der Vitrektomie ist, das Auge vor dem völligen Erblinden zu bewahren.
Welche Hilfsmittel und Informationsquellen gibt es?
Leidet der Diabetiker bereits an starken Sehstörungen, können ihm Hilfsmittel mit Sprachausgabe eine große Hilfe sein:
- Gluki Plus - Blutzuckermessgerät
Hersteller: Firma Care Tec GmbH - SweetHeart - Blutdruck- und Pulsmessgerät
Hersteller: Firma Care Tec GmbH - sprechende Küchenwaage
- Uhren, Wecker
Weitere Informationen über Hilfsmittel erhalten sie beim
Blinden- und Sehbehindertenbund
in Hessen e.V. (BSBH)
Eschersheimer Landstr. 80
60322 Frankfurt am Main
Tel.: 069 / 1 50 59 66
Email: info@bsbh.org
www.bsbh.org
Fachzeitschriften auf Kassette
- „Diabetiker-Journal“
Zeitschrift mit Themengebieten aus Gesundheitspolitik, medizinischen Beiträgen, Erfahrungsberichten, Ernährung und Psychologie. Zu beziehen bei der Westdeutschen Blindenhörbücherei Münster
Tel: 02 51 / 71 99 01 - „Subkutan“
Magazin für Diabetiker - „Zucker“
Kundenzeitschrift der Fa. Lifescan erscheint viermal im Jahr.
Beide Zeitschriften sind kostenlos bei der „Aktion Tonbandzeitung für Blinde e. V.“ erhältlich.
Tel: 0 55 31 / 71 53
Kontakt:
Diabetesbeauftragte des DBSV
Frau Diana Droßel
Tel: 0 24 03 / 78 52 02
Diabetesbeauftragte des BSBH
Frau Gabriele Watz
Tel: 0 69 / 30 09 28 29