Altersbedingte Makula Degeneration - AMD
Makuladegeneration ist eine Netzhauterkrankung des Auges, von der besonders ältere Menschen betroffen sind. Sie bewirkt, dass das zentrale Gesichtsfeld erheblich eingeschränkt wird oder ganz ausfällt; man sieht insgesamt nicht mehr scharf, verzerrt, Farben verblassen, eine extreme Blendungsempfindlichkeit tritt auf, normales Lesen wird trotz Brille unmöglich.
Das leider unscharfe periphere Sehen, das Randsehen (Umrisse, Hell-Dunkel-Kontraste) bleibt jedoch fast immer erhalten, so dass Patienten mit Makuladegeneration nicht erblinden und sich in ihrer Umgebung weiterhin orientieren können.
WAS ist die Makula?
Die Makula ist ein ca. 2 qmm großer Fleck in der Mitte der Netzhaut.
Die Netzhaut (Retina), kann man mit dem Film des Fotoapparates vergleichen.
Sie enthält Millionen lichtempfindlicher Sinneszellen (Sehzellen). Diese sind aber nicht gleichmäßig verteilt. Im Bereich der Makula sind die Sehzellen in wesentlich stärkerer Konzentration vorhanden als auf der übrigen Netzhaut. Hier wird scharf abgebildet, was wir direkt "ins Auge fassen". Vom Rand der Makula nach außen hin nimmt die Anzahl der Sinneszellen ab. Die dort angesiedelten Zellen ermöglichen lediglich ein unscharfes Sehen, das Bewegungen und vage Abbildungen wiedergibt.
Die unter der Retina liegende Aderhaut ernährt über das zwischengeschaltete "Pigmentepithel" die gesamte Netzhaut und "hält sie am Leben".
So funktioniert Sehen:
Durch die Pupille fällt Licht gebündelt auf die Netzhaut. Mit ihren lichtempfindlichen Photorezeptoren (Sinneszellen) nimmt sie die Lichtreize auf. Das Licht bewirkt auf der Netzhaut - wie auf dem Film im Fotoapparat - eine photochemische Reaktion. Lichtreize werden in Nervenreize umgewandelt und als elektrische Impulse an den Sehnerv und über diesen an das Gehirn weitergeleitet.
WAS passiert bei AMD?
Die Umwandlung von Lichtreizen in den Sinneszellen ist ein photochemischer Prozess, dessen Abfallprodukte (abgestorbene Zellen) vom Pigmentepithel entsorgt werden müssen. Das Auge wird im höheren Lebensalter im Bereich der sinneszellenreichen Makula damit nicht mehr fertig. Es bilden sich kleine gelbliche Ablagerungen - Drusen. Diese Stoffwechselschlacken sind bei einer Augenhintergrunduntersuchung deutlich zu erkennen.
Auf die Dauer wird dadurch das Pigmentepithel so geschädigt, dass es abstirbt und damit auch die in diesem Bereich liegenden Sehzellen der Makula.
Diese am häufigsten auftretende Form der Krankheit heißt:
TROCKENE MAKULADEGENERATION
Eine Behandlung der trockenen AMD ist derzeit noch nicht möglich. Als wichtigste Therapieempfehlung gilt eine aktive und gesunde Lebensführung und eine vitaminreiche Ernährung.
FEUCHTE MAKULADEGENERATION
Durch eine Verschlimmerung der trockenen Makuladegeneration beginnen bei etwa 15% der AMD-Betroffenen Gefäße aus der Aderhaut zwischen Pigmentepithel und Sehzellen hineinzuwachsen. Diese fehlgebildeten, äußerst fragilen Blutgefäße neigen zu Flüssigkeitsabsonderungen und Blutungen, was die Sehzellen schwer schädigt. Die Sehfähigkeit wird innerhalb kurzer Zeit drastisch verschlechtert.
Frühe Symptome: zentral verschwommenes Sehen, wellige Linien.
WAS sind die Ursachen?
Seit etwa 50 Jahren tritt diese Krankheit zunehmend in den Industrienationen auf. Es gibt bisher kaum vorbeugende Maßnahmen oder gezielt einsetzbare Therapien. Nach neueren Erkenntnissen ist die altersbedingte Makuladegeneration keine unmittelbare Folge von Durchblutungsstörungen der Aderhaut. Darum könnten auch durchblutungsfördernde Medikamente weder die Sehschärfe verbessern noch den Krankheitsverlauf beeinflussen.
Drei Faktoren dürften jedoch eine entscheidende Rolle spielen:
1. HÖHERES LEBENSALTER
Der Stoffwechsel funktioniert nicht mehr so gut wie bei jüngeren Menschen.
2. INTENSIVE UND LÄNGERE LICHTEINWIRKUNG
Mögliche, aber nicht nachgewiesene Erklärung:
Aufenthalte in südlichen Ländern und im winterlichen Hochgebirge setzen die Makula häufiger schädlichen Strahlungen von ultraviolettem und blauem Licht aus, intensivere und weißere Beleuchtung im öffentlichen und privaten Bereich erfordert höhere Stoffwechselleistungen.
3. VERÄNDERTE ERNÄHRUNGS-GEWOHNHEITEN
Zu wenig frisches Gemüse, zu viel tierisches Eiweiß, zu wenig Mikronährstoffe zur Stärkung körpereigener Schutzmechanismen des Auges, zu viele Transfettsäuren (= Fettsäuren, die bei chemischer Härtung von Fetten entstehen: in Pommes, Chips, industriell hergestellten Kuchen etc.).
WEN trifft es?
Je älter die Menschen werden, umso mehr sind sie von Makuladegeneration bedroht:
In Deutschland gibt es mittlerweile ca. 3 Millionen Betroffene.
- 25 % aller Menschen über 65 und
- 30 % aller 75 bis 85-Jährigen, leiden an einer mehr oder minder ausgeprägten Form von AMD,
- 7 % der über 75-Jährigen verlieren durch AMD ihr Lesesehvermögen.
An AMD erkranken:
- eher Frauen als Männer
- eher Blauäugige als Braunäugige (durch die blaue Iris dringt mehr Licht als durch die braune)
- eher Menschen mit heller, schwer bräunender Haut als dunkelhäutige Typen
Erhöhtes AMD-Risiko besteht:
- bei Bluthochdruck
- bei Erkrankung der Herzkranzgefäße
- bei familiärer Veranlagung
- bei starken Rauchern
WELCHE therapeutischen Maßnahmen gibt es?
Es gibt - momentan - noch keine Heilung, d.h. keine Erneuerung der erkrankten oder abgestorbenen Zellen. Alle medizinischen Maßnahmen zielen darauf, den Krankheitsverlauf hinauszuzögern oder, wenn möglich, zu stoppen.
Die Behandlungen sind am aussichtsreichsten, wenn sie zum frühest möglichen Zeitpunkt erfolgen.
Schulmedizinische Ansätze bei feuchter Makuladegeneration
(bei "trockener" gibt es bislang noch keinerlei Möglichkeiten)
CHIRURGISCHE THERAPIE:
- Entfernung subretinaler Blutungen unter der Netzhaut
LASERBEHANDLUNGEN
- z.B. photodynamische Therapie
MEDIKAMENTÖSE THERAPIE
- NEU: wachstumshemmende Antikörper (z.B. Avastin) werden bei krankhafter Gefäßbildung in den Augapfel injiziert - kann helfen bei gewissen Formen der feuchten AMD und wenn die Netzhaut noch nicht sehr stark geschädigt ist.
Alternative Ansätze:
Ganzheitlich behandelnde Augenärzte und Heilpraktiker bieten eine Reihe von Therapieversuchen an, die jedoch von der Schulmedizin meist kritisch beurteilt oder gar abgelehnt werden. Z.B.:
- spezielle Augen-Akupunktur
- Chinesische Akupunktur
- Sauerstoff-Mehrschicht-Therapie
- Bestrahlungen
- Infusionsbehandlungen
- Spritzen hinter das Auge
WAS kann der Betroffene selber tun?
- hohen Blutdruck konsequent behandeln lassen
- Bewegung, autogenes Training, Entspannungsübungen (Volkshochschule)
- viel trinken (Wasser, Tees - insbesondere grünen Tee, Fruchtsäfte)
- Rauchen und Alkoholkonsum einschränken
- Augen nie ohne Schutz starkem, grellen Sonnenlicht aussetzen
- sich gesund ernähren: viel frisches Obst und Gemüse essen, wenig Wurst und Fleisch, aber viel Seefisch, fettarme Milchprodukte, den Verzehr von Transfettsäuren einschränken
- Nahrungsergänzungsstoffe - Vitamine + Antioxidantien (z.B. Luteinpräparate) einnehmen
- positiv denken - versuchen, die Situation zu akzeptieren
- mit anderen Betroffenen reden (Selbsthilfegruppe suchen)
Hinweis:
Der lateinische Name von Makula lautet "macula lutea" = gelber Fleck, da sie eine Gelbfärbung aufweist.
Dies liegt an den Carotinoiden "Lutein" und "Zeaxantin". Es handelt sich dabei um Mikronährstoffe, die in diesem Teil der Netzhaut in hoher Konzentration vorkommen und vor den schädlichen blauen und ultravioletten Strahlen des Lichts schützen - sozusagen als INNERE SONNENBRILLE.
Eine gesunde und ausgewogene Ernährung trägt zur Versorgung mit diesen wichtigen Mikronährstoffen bei und stärkt die körpereigenen Schutzmechanismen des Auges. Luteinhaltige Nahrungsergänzungsstoffe können dies unter Umständen unterstützen.
Rezeptfrei erhältlich in Apotheken (nach Beratung durch Arzt oder Apotheker).
WELCHE Hilfsmittel gibt es für Patienten mit AMD?
zum Schutz des Auges:
Sonnenbrillen mit UV- und Blaulichtschutz -
mit kontrastverstärkenden Kantenfiltergläsern
(zu finden beim Optiker)
übrigens:
nach einer Staroperationmuss das Auge besonders vor dem aggressiven Blauanteil des Lichts geschützt werden - deshalb unbedingt: Sonnenbrille (mit Blaulichtfilter).
zur Erleichterung des Alltags:
bessere Beleuchtung
- Leuchtlupen, Lupenbrillen, elektronische Sehhilfen (Bildschirmlesegeräte / Vorlesegeräte) - lassen Sie sich beim Optiker beraten
- andere Hilfsmittel (z.B. sprechende Uhren und Haushaltsgeräte) - zu finden im speziellen Hilfsmittelversand
- Hörbücher und Hörfilme
- zu finden in Blinden-Hörbüchereien
Wo findet der AMD-Patient Beratung?
- bei Sehrestberatungsstellen z.B. in Marburg, Gießen, Frankfurt, Darmstadt
- beim Augenarzt und beim Optiker mit "Low Vision"- Zusatzausbildung
- bei einer Selbsthilfegruppe
- z.B.den Beratungsstellen des Blinden- und Sehbehindertenbundes in Hessen e.V.
in Darmstadt - Südhessen, Tel.: 06151 - 29 49 63
in Frankfurt, Tel.: 069 - 150 59 680
in Gießen Oberhessen, Tel.: 0641 - 73166
in Kassel - Nordhessen, Tel.: 0561 / 286 16 70