Presseerklärung zum Sehbehindertentag am 6.6.2002
Formulare im Fokus des diesjährigen Sehbehindertentages
Länder, Kommunen und Wirtschaft sollen Anforderungen des Behinderten-gleichstellungsgesetzes der Bundesregierung für die Gestaltung von Drucksachen übernehmen.
Die sehbehindertengerechte Gestaltung von Drucksachen ist in diesem Jahr Thema des Sehbehindertentages am 6. Juni. Bundesweit werden der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) und seine 20 Landesverbände durch vielfältige Aktionen auf die Mängel der meisten gängigen Formulare bei Schriftgröße und Schriftart, Kontrastierung und Übersichtlichkeit der Gestaltung hinweisen, die den über 500.000 Sehbehinderten in Deutschland das selbstständige Bearbeiten der Drucksachen oft unmöglich machen.
Aktuell ist das Thema auch auf Grund des zum 1. Mai in Kraft getretenen Bundesgesetzes zur Gleichstellung behinderter Menschen. Darin hat sich die Bundesregierung verpflichtet, ihre Drucksachen allen Behindertengruppen problemlos zugänglich zu machen. Zukünftig werden somit Formulare der Bundesregierung und der ihr zugeordneten Verwaltungen in sehbehinderten-gerechter Form vorliegen. "Ein wichtiger Schritt, auf den die Blindenselbsthilfe-organisationen lange hingearbeitet haben" betont Ursula Falge, Vorsitzende des Arbeitskreises Sehbehinderte im Blindenbund in Hessen (BBH). "Die Länder und Kommunen sind gefordert," so die Vorsitzende des Sehbehindertenarbeitskreises weiter, "dem Vorbild der Bundesregierung schnellstmöglich zu folgen und ihre Formulare an diese Standards anzupassen." Auch die Wirtschaft sollte eine so große Kundengruppe, wie sie die mehr als 500.000 Sehbehinderten in Deutschland darstellen, besser berücksichtigen. Bei Versicherungsvordrucken oder Formularen der Banken sowie der Post- und der Telekommunikationsdienstleister gibt es sehr viel Verbesserungsmöglichkeiten, die meist ohne großen Aufwand umsetzbar sind.
Begleitend zum Thema liegt eine Sonderbroschüre des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes vor, in der die grundlegenden Anforderungen an sehbehindertengerechte Formulare anschaulich erläutert werden. Sie ist beim Blindenbund in Hessen, Eschersheimer Landstraße 80, 60322 Frankfurt erhältlich.
Die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe nutzt den jährlich am 6. Juni stattfindenden Sehbehindertentag als Aktionstag, um auf die speziellen Probleme und Belange der Sehbehinderten in Deutschland hinzuweisen. Mehr als eine halbe Millionen Menschen in Deutschland sind sehbehindert, d.h. dass sie trotz Brille über weniger als 30 Prozent der normalen Sehkraft verfügen. Besonders ältere Menschen sind von dieser Behinderung betroffen. So leidet jeder vierte Bürger über 65 Jahren an einer Beeinträchtigung des Sehvermögens, die zumeist Folge einer degenerativen Erkrankung der Netzhaut ist.
Betroffene und deren Angehörige erhalten Rat und Hilfe durch den Blindenbund in Hessen unter der Rufnummer: 01805-666456.
Klaus Meyer
Referent für Öffentlichkeitsarbeit